Kanuten mit Handicap

Deutsche Meisterschaft Paracanoeing

Herzlichen Dank von allen Bayerischen Teilnehmern bei den Deutschen Meisterschaften im Paracanoeing 2012 in Brandenburg an die Fa. Prijon, Rita und Toni Prijon.
Herzlichen Dank für die großzügige Unterstützung mit Anhänger Booten, Paddeln und vielen anderen Dingen. Ohne diese Unterstützung wäre diese Aufbauarbeit im Kanusport in dieser Geschwindigkeit nie möglich gewesen. Erfolg hat eben viele Väter (und Mütter).

 

Am Ende gab es nur Gewinner

Am Ende gab es nur Gewinner

Workshop und Regatta für Kanuten mit Handicap
Jeder der bei der Ausrichtung einer Regatta mitgearbeitet hat, weiß wie viel Arbeit mit der Organisation verbunden ist. Aber ist der ganze Aufwand für eine Regatta für nur 20 Sportler mit Handicap vertretbar ? Die Antwort ist JA. Denn wenn Drei sich zusammen tun, wird alles viel einfacher.
Die Idee für eine Regatta für Sportler mit Handicap wurde nach unserer Beteiligung an den Special Olympics National Games im Juli 2008 in Karlsruhe geboren. Die Special Olympics Bewegung steht für Sportler mit geistiger oder Mehrfachbehinderung. Damals waren 40 Kanuten aus ganz Deutschland am Start um die Premiere des Kanusport als offiziell anerkannte Special Olympics Sportart zu feiern. Alle Teilnehmer mussten sich zunächst in den Klassifizierungsläufen im K1, K2 und C4 in möglichst homogene Leistungsklassen einstufen lassen bevor in den Endläufen um die Medaillen gepaddelt wurde (siehe Kanusport 6-2008 und 8-2008). Die Regatta in Karlsruhe, mit ihren unvergesslichen Eindrücken, hat gezeigt dass der Kanusport gerade für Sportler mit Handicap ein breites Leistungsspektrum abdecken kann und darüber hinaus das Gemeinschaftserlebnis und damit die Integration hervorragend fördert. Doch sollten wir bis zu den nächsten National Games 2010 in Bremen in Erinnerungen schwelgen?
Wie sollen sich Sportler auf ihre Olympiade vorbereiten können wenn sie zwischen den nationalen Spielen 2 Jahre Pause haben? Um den Kanusport in diesem Bereich voran zu bringen, haben wir uns entschlossen, eine Kanu-Workshop mit Regatta für Sportler mit Handicap anzubieten und uns auf die Suche nach Partnern für eine sinnvolle Arbeitsteilung gemacht.

Die Partner waren schnell gefunden.
Die Kanuabteilung des SV1845 Esslingen e.V. richtet seit Jahren erfolgreich eine Schüler- und Jugendregatta aus. Der TREFFPUNKT der Caritas für Stuttgart e.V. kennt als Freizeiteinrichtung für Menschen mit Behinderungen die Bedürfnisse der Sportler sehr genau, stellt das Fachpersonal und übernimmt die notwendige Assistenz und Verantwortung für die Sportler.
Die Kanu-Gesellschaft Stuttgart e.V. praktiziert seit über 15 Jahren in Kooperation mit dem TREFFPUNKT Kanukurse für Sportler mit Behinderungen, verfügt über geeignetes Bootsmaterial, die notwendige Infrastruktur und sorgt für die sportliche Betreuung durch Helfer und Übungsleiter.

Mit einem Kanu-Workshop vom 16. bis 19. Juli 2009 bei der Kanu-Gesellschaft Stuttgart wollten wir die Sportler auf kommende Herausforderungen vorbereiten. Bei der 5. Esslinger Reichsstadt-Regatta am 18. Juli 2009 sollte unsere Premiere stattfinden. Doch am Anfang stand eine kleine Enttäuschung. Auf unsere Ausschreibung im Kanusport und über Special Olympics Deutschland haben wir leider kaum Resonanz erhalten. So blieb es bei der Beteiligung der uns bereits bekannten Sportler von der Lebenshilfe HWW Heidenheim, der Gustav Werner Schule in Stuttgart-Rot, dem Insel e.V. aus Ludwigsburg und dem TREFFPUNKT der Caritas in Stuttgart.

Der Workshop begann am Donnerstag Nachmittag mit dem Aufbau des Zeltlagers auf der Wiese am Bootshaus der KG Stuttgart. Neben den üblichen Kuppel- und Mannschaftszelten hatte die Heidenheimer Gruppe eine Jurte mitgebracht. Das Zusammenfügen der einzelnen Zeltplanen zu einer wetterfesten Behausung war bereits die erste Herausforderung für Sportler und Betreuer. Nach der üblichen Begrüßungsrunde und dem Wiedersehen mit Teilnehmern aus dem Vorjahr klang der Tag beim Grillen am Lagerfeuer aus.

Das Training am Freitag, das nach einem üppigen gemeinsamen Frühstück im Bootshaus begann, diente der Vorbereitung der Sportler auf die für Samstag geplante Regatta. Die erfahrenen K1 Paddler konnten mit ihren Betreuern erste Sprints und Ausdauertests fahren, und später noch die Startausrichtung üben. Sportler die bisher nur im Mannschaftsboot gepaddelt sind, konnten erste Erfahrungen im K1 sammeln, oder sich doch lieber für dem K2 oder C4 entscheiden. Neben den bereits bewährten K2 Besatzungen konnten auch neue Paarungen, teils als Renngemeinschaften mit anderen Einrichtungen, gefunden werden. Die anderen K2 Aspiranten konnten sich zusammen mit einem Betreuer als Steuermann auf ein spezielles „Unified Rennen“ vorbereiten. „Unified Wettbewerbe werden bei Special Olympics von Sportlern mit und ohne Handicap gemeinsam, als gemischte Mannschaft, ausgetragen. Beim Ausprobieren der C4 Besatzungen konnten dann alle Sportler, unabhängig vom Grad ihrer Behinderung, bunt gemischt zusammengestellt werden. Am Steuer saß jeweils ein Helfer der KG Stuttgart als Unified Partner.
Beim abschließenden Start-Training konnte das Starterteam mit den Sportlern verschiedene Kommandos verabreden und auch die Starthelfer in den Booten bemerkten schnell, wo sie bei der Startaufstellung noch unterstützen mussten, um alle Boote auf die richtigen Bahn und Position zu bringen. Als am späten Nachmittag, als die ersten dicken schwarzen Gewitterwolken aufzogen, waren die Klassifizierungszeiten ermittelt und alle fühlten sich für die Regatta gut gerüstet.

Als am Abend heftiger Regen einsetzte, der die ganze Nacht über anhielt, war am nächsten Morgen beim ersten Blick auf den Neckar alle zuversichtlich dahin. Ein Anruf bei der Regattaleitung in Esslingen lies die Befürchtungen zur Gewissheit werden. Schifffahrtssperre wegen Hochwasser, die Schüler-Regatta am Samstag ist abgesagt.
Wir beschlossen das Beste aus der Situation zu machen und ein Ersatzprogramm zu organisieren. Für die Technik Fans war mit dem benachbarten Mercedes-Benz Museum schnell ein trockenes Plätzchen gefunden. Aber auch die unverbesserlichen Wassersportler haben sich schnell zu einem Besuch des „Leuze“ -einem bekannten Stuttgarter Mineralbad- gefunden. Nach einem unterhaltsamen Nachmittag im Saal des TREFFPUNKT bei Kaffee, Kuchen und Paddelbildern, ging die Zeit bis zum Abendessen im Bootshaus im Nu vorbei. Mit dem fallenden Neckarpegel stiegen am späten Abend die Chancen, dass wir unsere Rennen auf den für Sonntag geplanten Esslinger Canadier Cup verlegen konnten.

Die Regatta konnte dann am Sonntag Morgen bei sonnigem Wetter ausgetragen werden. Die Sportler, das Helferteam und das gesamte Bootsmaterial wurde kurzerhand zur 10 km entfernten Regattastrecke nach Esslingen gefahren werden. Nach einer kurzen Lagebesprechung wurde um 10:45 Uhr das erste Rennen im K1 gestartet. Die bereits am Freitag erprobte Startmethode mit der Vorausrichtung der Boote in der Anfahrt zur Startlinie durch mit paddelnde Starthelfer hat sich dann auch unter Regattabedingungen in der mäßigen Strömung des Neckars gut bewährt. In den folgenden K1 und K2 Läufen konnten die Sportler bei packenden Rennen ihre Regattatüchtigkeit beweisen. Auch bei den abschließenden Unified Rennen im K2 und C4 wurden die Sportler durch die Zuschauer und die am Canadier Cup teilnehmenden Mannschaften begeistert angefeuert. Es kam eine tolle Regattastimmung auf, die sich auch bei der abschließenden Siegerehrung fortsetzte. Nachdem die Sportler ihre verdienten Medaillen in Empfang genommen hatten, erklang die obligatorische Special Olympics Hymne „let me win“ und bildete den würdigen Abschluss der Veranstaltung.
Beim anschließenden Abbau des Zeltlagers am KGS Bootshaus gab es nur zufriedene und glückliche Gesichter. Am Ende waren sich alle Teilnehmer und Organisatoren einig, diese gelungene Veranstaltung im nächsten Jahr zu wiederholen.
Wir freuen uns bereits auf die Regatta 2010 in Esslingen, mit hoffentlich noch mehr Teilnehmern.

Eberhard Wahl
Beauftragter Behindertensport
Kanu-Gesellschaft Stuttgart e.V.